
Canon Prima Super 115
Noch ziemlicher fotografischer Laie, stand nach der Lektüre einiger Testberichte irgendwann meine Entscheidung fest: Meine erste Kamera sollte eine Canon werden, genauer gesagt, das Modell "Prima Super 115". Damals habe ich gedacht, daß das ein ziemlich dämlicher Name für eine Kamera ist. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.
Maßgeblich für meine Entscheidung war eine Mischung aus Testberichten
("Stiftung Warentest"), den "technischen Daten" der Kamera und einem positiven
Gesamteindruck der Verarbeitung. Wenn ich mich recht erinnere, war von
einem "wertigen Gehäuse" die Rede. Weiterhin ist der Zoombereich
eingegangen (38-115mm), und die kürzestmögliche Belichtungszeit,
die mit bis zu 1/1200 Sekunde bei dieser Preisklasse schon in der obersten
Liga mitspielte.
Soweit mein damaliger Informationsstand. Jetzt mein heutiger:
Die Canon Prima Super 115 gehört zu den "vollautomatischen"
Sucherkameras mit Zoomobjektiv. Das heißt, es reicht
- im Prinzip - schon aus, die Kamera auf ein Motiv zu richten und
abzudrücken. Vor dem Auslösen liefert einem die Kamera
die Information, daß sie auf ein Motiv scharfstellen ("fokussieren")
konnte und ob nach ihrer Beurteilung die Belichtung ausreicht, damit die
Aufnahme aus der freien Hand nicht verwackelt. Weitergehende Informationen
- zum Beispiel die verwendete Zeit und Blende, wie sie einem Spiegelreflexkameras
liefern - werden nicht gegeben. Ein Einfluß des Fotografen
auf das Verhalten der Kamera ist nur begrenzt möglich, man muß
sich weitgehend auf sie verlassen. Das alles ist für Kameras
dieser Bauart ("Zoomkompakte") nicht untypisch.
Motivprogramme
Zur Auswahl steht eine Reihe von sogenannten "Motivprogrammen", die für bestimmte Standardsituationen die optimale Einstellung vornehmen sollen:
Beim Nahmodus ist zu berücksichtigen, daß das Bild
im Sucher bei geringen Distanzen nicht mit dem tatsächlich fotografierten
Ausschnitt übereinstimmt. Hier sind - wie bei Sucherkameras
üblich - sogenannte "Parallaxenmarken" zu beachten, die den oberen
und rechten Rand des tatsächlichen Bildes angeben sollen. Funktioniert
das? Nach meinen Erfahrungen erfordert es einiges an Übung
(und produziertem Ausschuß), Motive so zu fotografieren, daß
sie tatsächlich am gewünschten Ort auf dem Foto auftauchen.
In der folgenden, leider mißlungenen Aufnahme wollte ich zum Beispiel
eigentlich, daß sich die Blüte in der Bildmitte wiederfindet:

Autofokus (AF)
Der AF arbeitet in einigen Betriebsarten mehrstrahlig, d.h. er wird
nicht so leicht irregeführt, auf welches Objekt er scharfstellen soll
- auch wenn dieses sich nicht in der Bildmitte befindet. Man
erhält allerdings grundsätzlich nur die Information, daß
eine Fokussierung erfolgt ist (indem eine LED am Sucher aufleuchtet),
nicht jedoch auf welches Objekt. Eine visuelle Kontrolle, wie bei
Spiegelreflexkameras, ist nicht möglich. Der AF funktioniert
in den meisten Situationen recht zuverlässig, allerdings gibt
es auch immer mal wieder einzelne Bilder, wo man erst beim Betrachten des
Abzuges merkt, daß die Kamera und ihr Nutzer in ihren Vorstellungen
etwas auseinanderlagen. Spot-Messung mit dem AF-Feld in der Mitte
ist zum Beispiel im Sport-Modus möglich. In diesem wird gleichzeitig
auch die Reihenbelichtung aktiviert, so daß bei durchgedrückter
Taste laufend Fotos gemacht werden.
Einstellungsmöglichkeiten
Kann man bei der Kamera kurz und bündig abhandeln, es gibt nämlich
nicht allzu viele. Hinter einer kleinen Klappe befinden sich
Gummitasten, mit denen man den Selbstauslöser und den Blitzmodus einstellen,
sowie den Film vorzeitig zurückspulen kann. Die Wahl, diese
Bedienungselemente hinter einer Klappe verschwinden zu lassen, finde ich
eher unpraktisch. Will ich zum Beispiel den Blitz der Kamera
abschalten oder das Blitzen ausdrücklich erzwingen - was nicht ganz
selten vorkommt - dann muß ich erst die Klappe öffnen und mehrfach
auf einer Gummitaste herumdrücken, bevor ich die Aufnahme machen kann.
Wünschenswert gewesen wäre zusätzlich, zumindest einen Belichtungsausgleich
von Hand einstellen zu können. So erfolgt dieser laut technischen Daten
bei "Szenarien mit Gegenlicht" automatisch (bis +1,5 Blendenstufen).
Lichtstärke
Beim Kauf der Kamera konnte ich mit dem Begriff der Lichtstärke
noch nicht so viel anfangen. Sie bestimmt maßgeblich,
bei welchen Lichtbedingungen man noch "aus der freien Hand" fotografieren
kann und wann man bereits ein Stativ benötigt oder blitzen muß.
Die Canon PS 115 liegt zwischen 3.6 (38mm) und 8.5 (115mm) und damit
für Zoomkompakte dieser Bauart im Rahmen des Üblichen.
Am "langen Ende" wird die Kamera also schon recht lichtschwach, was
bei grauem Wetter oder in der Dämmerung schnell die "Verwackelungswarnung"
zum blinken bringt. Also entweder einen höherempfindlichen Film
verwenden, ein Stativ benutzen oder - provisorisch - die Kamera irgendwo
auflegen. Die Canon PS 115 bleibt allerdings noch im "vernünftigen"
Bereich. Modelle anderer Hersteller bieten zwar sogar 140,
160 oder gar 200mm Brennweite, werden dabei aber dermaßen lichtschwach,
daß man diese Brennweite nur mit großen Einschränkungen
nutzen kann. Lange Brennweiten sind doch eher eine Domäne
der Spiegelreflexkameras. Hier erreichen selbst Objektive der unteren Preiskategorie
bei 300mm Lichtstärke 5.6.
Rote Augen-Reduktion
Bestimmt hat jeder schon mal Bilder gesehen, auf denen alle Abgebildeten
mehr oder weniger mit roten Kaninchenalbinoaugen herumliefen. Besonders
drastisch, wenn eine Person in Nahaufnahme abgebildet wird. Dieser
Effekt wird dadurch hervorgerufen, daß der - gut durchblutete und
daher rote - Augenhintergrund von dem Blitz ausgeleuchtet wird. Er
tritt bei allen Kameras auf, bei denen der Blitz nahe am Objektiv ist.
Zoomkompakte haben in der Regel eine "Rote-Augen-Redukzierung", die diesen Effekt
mindern soll. Der Wert dieses Features ist allerdings eher begrenzt:
Durch einen Vorblitz oder eine Vorbeleuchtung sollen die Pupillen
verkleinert werden. Das klappt ohnehin nur bei gestellten Fotos,
und auch da nicht wirklich gut. Und Fotos, bei denen eine Person
mit großen, ausdrucksstarken Pupillen abgebildet ist, sind logischerweise
nicht möglich. Der einzige Weg, die "roten Augen"
sicher loszuwerden, ist den Abstand zwischen Blitz und Objektiv
zu vergrößern oder indirekt, gegen die Decke, zu blitzen.
AF-Speicherung, leider keine Belichtungsspeicherung
Die Canon PS 115 verfügt über eine Entfernungsspeicherung.
D.h. es ist möglich, sich an einem bestimmten Punkt mit dem AF zu
fokussieren und sich die richtige Entfernung zu "holen". Hält
man den Auslöser angedrückt, kann man nun den Bildausschnit
einrichten und erst dann abdrücken. Leider - das ist eine
bisweilen lästige und limitierende Einschränkung - ist es nicht
möglich, auf ähnliche Weise die Belichtung zu "halten" und einen
anderen Bildausschnitt mit dieser Belichtung zu fotografieren.
Bei dem untenstehenden Foto etwa wollte ich herüberbringen, daß
das das Licht strahlend durch die Wolken bricht. Herausgekommen ist
eher, daß die finsteren Wolken das Licht verschlingen.

Fazit
Was die Verarbeitung der Canon PS 115 angeht, gibt es keinen Grund zur Kritik. Sie ist für eine Zoomkompakte in der Tat solide ("wertig") verarbeitet, sieht nicht schlecht aus und man kann damit ansprechende Fotos machen. Über die generellen Einschränkungen, die man bei einer Zoomkompakten in Kauf nimmt, muß man sich klar sein: wenig Einfluß auf die Kameraautomatik, keine große Lichtstärke, bei Innenaufnahmen große Gefahr "roter Augen", kein bewußtes Arbeiten mit Schärfentiefe oder Bewegungsunschärfe. Speziell bei dem vorliegenden Modell vermißt habe ich die Belichtungskorrektur und die Speicherung der Belichtung.
Als Kamera für unterwegs ist sie ganz gut geeignet, obwohl sie schon etwas mehr Platz in Anspruch nimmt wie eine Kompaktkamera mit Festbrennweite. Wenn der Zoom bei kritischem Nachdenken nicht unbedingt nötig ist, wäre eine solche, etwa die Olympus mju:2, eine gute Alternative. Sie funktioniert zwar auch automatisch, hat mit ihrer 35mm-Festbrennweite aber in punkto Lichtstärke und Bildqualität die Nase vorn.