| Jehovas Zeugen |
Im "Wachtturm" vom 15.11.98 findet sich ein Artikel unter der Überschrift
"Mit Gott wandeln - die ersten Schritte". Darunter heißt es
in einer Unterüberschrift mit Jakobus 4:8 "Naht euch Gott, so wird
er sich euch nahen." Verheißungsvoll. Es könnte ein guter christlicher
Artikel folgen, wie man anfängt, mit Gott zu leben.
Die nicht erwähnte
Grundlage
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Das steht in auffallendem Kontrast zur Lehre, die Paulus im Römerbrief ausbreitet. In Übereinstimmung mit dem Alten Testament schreibt er, daß es niemanden gibt, der Gottes Erfordernissen entsprechen würde. Alle sind abgewichen, alle untauglich geworden (Römer 3:23). Gerade deshalb ist der stellvertretende Tod Jesu für uns ja so notwendig. Wir hingegen werden umsonst gerechtfertigt, durch Gottes Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. (Römer 3:23) Eine biblische Auffassung wäre daher:
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Tatsache ist: Wir können uns zwar bemühen, aber wir werden Gottes Erfordernissen nicht gerecht. Wir bleiben Sünder, die nur aufgrund des auf Golgatha vergossenen Blutes Christi vor ihm stehen können. Aus unserer Kraft schaffen wir das nicht, aber Gottes Möglichkeiten fangen da an, wo unsere aufhören. (2. Korinther 5:17)
Gottes Weg ist nicht, uns die Errettung mit unserer fleischlichen Natur
erarbeiten zu lassen. Gottes Weg ist es, uns zu erneuern. In
Johannes 3 nennt Jesus dies gegenüber Nikodemus, daß ein Mensch
"von neuem" oder "von oben geboren" wird. In der Wiedergeburt kommt
ein neues Wollen, eine neue, geistliche Natur in den Menschen hinein. Diese
Erfahrung, die Christen weltweit machen, wenn sie zum Glauben kommen, bleibt
Jehovas Zeugen vorenthalten. Ihnen wird ohne biblische Begründung
etwas vorenthalten, weil es - angeblich - wieder mal nur für die 144.000
gilt.
Das ist keine Haar- oder Wortspalterei, sondern ein fundamentaler Unterschied. Stellen wir uns einen jungen Mann vor, der sich in seine Herzensdame verliebt hat. Was tut er nun? Nein, er offenbart sich ihr nicht und schließt sie nicht in seine Arme. Er fängt an, "Erkenntnisse" über sie in sich aufzunehmen. Zunächst treibt er alles auf, was sich leicht beschaffen läßt. Schließlich bittet er jemand, ihm doch zweimal pro Monat ein Heft zukommen zu lassen, in dem die neuesten Erkenntnisse über seine große Liebe niedergeschrieben sind. Wieder und wieder begeistert er sich beim Lesen für sie! Aber - er lernt sie nie kennen. Und er erkennt sie nie.
Ist der verlorene Sohn in Jesu Gleichnis etwa bei den Schweinehirten geblieben und hat sich immer das Neueste über den Vater berichten lassen? Nein. Er ist zum Vater gegangen, und der Vater hat sich, vor Freude überstrahlend und eigentlich in der damaligen Zeit unschicklich, nicht nehmen lassen, dem Sohn entgegenzulaufen. Die Kleidung gab es nämlich eigentlich nicht her, zu rennen, und so mußte man sie etwas lüpfen, wenn man es dennoch tut. So ist unser Gott! Er scheut sich nicht, sich für uns "unmöglich" zu machen!
Die Versprechung, durch das "fortgesetzte Aufnehmen von Erkenntnissen"
die Hoffnung auf ewiges Leben zu haben, ist eine Versprechung, die die
Wachtturm-Gesellschaft auf eigene Kappe und an der Bibel vorbei trifft.
Wer sich darauf einläßt, kann sich bei der WT-Gesellschaft beklagen,
wenn dieses Versprechen nicht autorisiert war. Das heißt
- dann ist es zu spät!
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Aber den ersten Stellenwert hat offenbar in der Belehrung nicht der Heilige Geist, von dem Jesus sagt, daß er uns in alle Wahrheit leiten wird (Johannes 14:26, 16:13) An den ersten Platz in der Belehrung setzt sich eine menschliche Organisation, die behauptet, von Jehova eingesetzt zu sein. Ihre religiöse Unterweisung, ihre Zusammenkünfte, ihre Bibelstudien sind angeblich unverzichtbar. Gottes Heiliger Geist - ja, er darf noch irgendwo etwas mithelfen.
Das Neue Testament stellt uns hingegen den heiligen Geist als den Begleiter und Tröster der neutestamentlichen Nachfolger Jesu vor, der sie in alle Wahrheit leiten wird. Wo seine Nachfolger versammelt sind, da ist Jesus mitten unter ihnen. Das ist biblisches Christentum! Der "treue Sklave" drängt sich mit seiner angeblich unverzichtbaren Literatur dazwischen, die für die "religiöse Unterweisung", für die "christlichen Zusammenkünfte" und die "Heimbibelstudien" zu verwenden sind.
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Der gesamte Artikel darüber, wie Jehovas Zeugen ihre ersten Schritte "mit Gott wandeln" kommt aus, ohne auch nur ein einziges Mal auf die Bedeutung des Kreuzes (oder meinetwegen auch "Pfahls") einzugehen.
Stattdessen wird den Lesern versprochen, daß man von "Millionen Menschen, die im Einklang mit Jehovas Rat und Unterweisung leben", sagen kann, "daß sie wie Noah 'mit Gott wandeln'". Jesus ist da gerade noch mal "Vorbild". Nicht mal dort, wo Jesus ausdrücklich genannt wird, steht, daß er den schweren Weg für uns ans Kreuz gegangen ist, damit wir leben können.
Richtet man sich nach diesem Artikel, muß man feststellen, daß die Menschen, die diese ersten Schritte der Wachtturm-Gesellschaft gehen, biblisch gesehen keine Christen sind. Einmal mehr entsteht der Eindruck, daß das "Loskaufsopfer" Christi völlig an den Rand gedrängt wird. Die Gute Nachricht, mit der die Apostel losgezogen sind, war nicht, daß Jesus "unsichtbar gegenwärtig" ist und jeden Moment Harmagedon kommt. Die Wachtturm-Gesellschaft erweckt den Eindruck, ein anderes Evangelium (Galater 1:9) zu predigen.
Irrlehre bedeutet nicht nur, daß jemand etwas völlig Falsches lehrt. Irrlehre kann auch bedeuten, daß jemand Dinge in völlig falschen Gewichtungen lehrt, daß das eine maßlos betont und das andere fast unterschlagen wird. So sehr man sich auch die Glaubenshelden des Alten Testaments als Vorbild nehmen mag, es kann kein Gebäude gebaut werden, ohne ein Fundament zu legen. Wer das nicht erwähnt, führt jedenfalls Menschen, die nur diesen Wachtturm kennen, in die Irre, sich an das Alte Testament anzuhängen.
Die Bedeutung Jesu wird nivelliert.
Wenn Du zu der Überzeugung gekommen bist, daß Dir persönlich
etwas fehlt, kannst Du Dich jederzeit an Deinen Vater im Himmel wenden
(so lehrt uns Jesus, Jehova Gott anzusprechen). Du könntest
etwa so beten:
Vater, ich bitte Dich, daß Du mir dieses neue Leben schenkst,
von dem Dein Wort berichtet.
Bitte, erfülle mich durch Deinen Heiligen Geist,
erneuere mein Leben durch und durch.
Leite mich in alle Wahrheit, wie Dein Sohn es versprochen hat.
Amen.