| Jehovas Zeugen |
Abtrünnige - das sind Menschen, die sich von den Zeugen Jehovas distanziert haben oder ausgeschlossen wurden. Das "Unterredungsbuch" definiert ihre Haltung so:
"Abzufallen bedeutet, die Anbetung Gottes und den Dienst für ihn aufzugeben oder untreu zu werden, eigentlich, sich gegen Jehova Gott aufzulehnen. Einige Abtrünnige geben vor, Gott zu kennen und ihm zu dienen, verwerfen aber Lehren oder Anforderungen, die in seinem Wort festgelegt sind. Andere behaupten, an die Bibel zu glauben, lehnen aber Jehovas Organisation ab." (S. 25)
Was macht diese Definition problematisch?
Zum einen die Festlegung auf Jehovas Organisation. Wie bereits in einem anderen Artikel festgehalten, ist die Organisation in dem Sinne, wie sie von der Wachtturmgesellschaft verwendet wird, kein biblischer Begriff. Und die organisierte Form, die uns das Neue Testament vorstellt, nämlich der Leib Christi, ist sicher nicht ohne weiteres auf die Strukturen der Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft abzubilden.
Wenn man mal von den wirklichen Fällen absieht, wo jemand sich von seinem christlichen Glauben lossagt: Letztlich geht es gar nicht darum, daß diese "anderen Abtrünnigen" nicht wirklich an die Bibel glauben. Das wird ihnen nicht zum Vorwurf gemacht. Sie haben auch nicht ihre Treue gegenüber Gott aufgekündigt oder aufgehört, ihm zu dienen. Nein, worum es entscheidend geht, ist "Jehovas Organisation" treu und ergeben zu sein. Dies strahlt natürlich auch auf die Lehren und Anforderungen aus: Diese werden nämlich auch in der Literatur der Zeugen Jehovas vorgegeben. Bisweilen unterschwellig, aber doch hörbar wird vermittelt, was ein Zeuge tun und eben auch lassen sollte.
Als "anderes Schaf" kann er sich nur an die Klasse der sogenannten "Geistgesalbten" halten, die den "treuen und verständigen Sklaven" bilden. Dieser teilt angeblich die richtige "geistige Speise" aus.
Wie die Geschichte der Bibelforscher und der späteren Zeugen Jehovas gezeigt hat, lag dieser "Sklave" durchaus nicht immer richtig. Das wirft aber keine Erklärungsnöte auf: "Jehova hat neues Licht gegeben" und die anderen Schafe akzeptieren willig die neue Lehre. Ebensowenig steht es dem Autoritätsanspruch im Wege: Jeder Zeuge soll in jedem Fall die "Speise" entgegennehmen, die ihm gereicht wird, ohne "vorauszueilen" oder gar zu anderen Erkenntnissen zu kommen.
Der "treue und verständige Sklave" hat und behält seine Aufgabe, wenn er auch irrt. Zu jedem Zeitpunkt kann man die Lehre nachbearbeiten, ohne daß - zumindest theoretisch - größere Verstimmungen bei den "anderen Schafen" auftreten. Die Praxis zeigt, daß bei gravierenderen Lehränderungen, insbesondere im Zusammenhang mit falschen Erwartungen über das Ende "dieses Systems der Dinge", Zeugen Jehovas abgesprungen sind und das "Predigtwerk" zurückging. Interessanterweise wird die Schuld daran in der Regel nicht etwa dem "falschen Propheten" gegeben. Vielmehr sind die schuldig, die Jehova angeblich nur bis zu einem bestimmten Datum dienen wollten...
(Der Wachtturmgesellschaft gegenüber) loyale Zeugen Jehovas
sollen sich weder persönlich noch durch Lesen von Literatur mit sogenannten "Abtrünnigen"
beschäftigen. Dies hat folgende schwerwiegende Konsequenzen:
Perfiderweise ist ihnen auch noch die Möglichkeit vergiftet,
außerhalb der Zeugen Jehovas nach einer anderen christlichen Gemeinschaft
zu suchen. Denn dabei handelt es sich - angeblich - um die verderbte
"Christenheit", diesen besonders üblen Teil der "Hure Babylon", der
von Jehova besonders geplagt wird.
Solange sie noch dieser Indoktrination unterliegen, bleibt ihnen der
Weg zu den anderen Nachfolgern Jesu versperrt, in der sie Annahme,
soziale Kontakte und ein Umfeld finden könnten, indem sie ohne Druck
geistlich wachsen könnten.
.