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geändert: 19.01.1999
Manipulierte Sprache?
Im englischen Sprachraum gibt es den Begriff
der loaded language: Sprache, die allein durch ihre Worte
bereits bestimmte Inhalte transportiert und das Denken beeinflußt.
Eine ähnlich prägnante deutsche Ausdrucksweise für
diesen Sachverhalt ist mir leider nicht geläufig. Gelegentlich
hat man von einer solchen loaded language bei Jehovas Zeugen gesprochen.
Das möchte ich hier einmal an Beispielen näher untersuchen.
"In der Wahrheit sein"
"Wie lange bist du denn schon in der Wahrheit?" So oder ähnlich
könnte ein Zeuge Jehovas einen anderen fragen, wenn er
sich erkundigen will, wie lange dieser schon "dabei" ist.
Durch die Formung dieser Sprachwendung besteht die Gefahr, daß ein Zeuge
Jehovas automatisch davon ausgeht, auch tatsächlich immer in der
Wahrheit zu sein. Die Notwendigkeit einer eigenen Prüfung
entfällt. Es wird zu einem Abweg, an der Wahrheit zu zweifeln:
Den richtigen Weg hat man ja, warum also überhaupt darüber nachdenken,
ob er wirklich richtig ist?
"Christenheit"
Was ein Nicht-Zeuge Jehovas mit einem Begriff für die Gesamtheit
aller Christen in Gegenwart und Geschichte verstehen würde, hat für
einen Zeugen Jehovas eine ganz besondere Bedeutung: Die Christenheit
ist grundlegend verderbt. Betrachtet man die Christentumsgeschichte,
so besteht zu der Auffassung, Jehovas Zeugen von der Christenheit auszunehmen,
jedoch nicht der geringste Anlaß: Sie sind aus dem Adventismus
des letzten Jahrhunderts entstanden. Ihr "Gründer", Russell,
wurde von adventistischem Gedankengut beeinflußt. So entstammen
sie dem Christentum und es gibt keinen naheliegenden Grund, sie -
als ziemlich junge Verzweigung vom Christentum - diesem gegenüberzustellen.
"Zeuge Jehovas"
Dieser Begriff scheint stets eine Doppelbedeutung zu transportieren.
Auf der einen Seite ist ein "Zeuge Jehovas" einfach jemand,
der für seinen Gott einsteht und ihn bezeugt. Solche Menschen
hat es zur Zeit des Alten Testaments gegeben, es gab sie zu Jesu Zeiten
und der der ersten Christen, es gibt sie bis heute. Auf der
anderen Seite ist Jehovas Zeugen gleichzeitig ein Eigenname für
eine ganz bestimmte religiöse Gruppierung.
Die Wachtturmgesellschaft versucht, aus einem Vers des Alten Testaments
zu begründen, daß es bereits damals "Zeugen Jehovas" gab.
In ihrem Buch "Jehovas Zeugen, Verkündiger des Königreiches Gottes"
widmet sie ein ganzes Kapitel den "christlichen Zeugen Jehovas des
ersten Jahrhunderts". Diese Ausdrucksweise ist insofern richtig,
daß es sich um Menschen handelte, die Zeugnis für Gott
ablegten. Sie ist aber gleichzeitig auch insofern höchst manipulativ,
indem sie die Menschen des Alten Testaments und die ersten Christen für
die heutige Gruppe der Zeugen Jehovas vereinnahmt - ganz so, als
gäbe es eine ungebrochene Linie von den "christlichen Zeugen Jehovas
des ersten Jahrhunderts" zu den heutigen.
Derselbe Doppelklang findet sich in der zweiten Tauffrage wieder,
wo jemand sich dazu bekennen soll, ein Zeuge Jehovas zu sein:
Sicherlich wird er sich gerne als Zeuge Gottes bezeichnen lassen wollen,
deshalb möchte er sich ja taufen lassen. Auf der anderen Seite
bekennt er sich damit aber auch zu Jehovas Zeugen, also einer religiösen Gruppierung.
http://www.zj-im-blickpunkt.de/zeugen_jehovas/zjmansprach.html
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