| Jehovas Zeugen |
| Wer ist in Wirklichkeit der treue und
verständige Sklave, den sein Herr über die Hausknechte gesetzt
hat, um ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben? Glücklich
ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft so tuend findet.
Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über seine gesamte Habe
setzen.
Wenn aber jener übelgesinnte Sklave jemals in seinem Herzen sagen sollte: "Mein Herr bleibt noch aus" und anfangen sollte, seine Mitsklaven zu schlagen, und mit den Gewohnheitstrinkern essen und trinken sollte, wird der Herr jenes Sklaven an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn mit der größten Strenge bestraften, und wird ihm sein Teil mit den Heuchlern zuweisen. Dort wird [sein]Weinen und [sein] Zähneklappern. (Mt 24,46-51, nach der "Neuen Welt"-Bibel) |
Was ist von dieser Auslegung zu halten?
Betrachten wir dazu den Bibeltext im Zusammenhang.
Er ist Teil der sogenannten Endzeitrede Jesu. Jesus und die Jünger sind allein, und die Jünger fragen ihn, was das Zeichen seines Wiederkommens und des Endes der Welt sein würde. (Die NW übersetzt hier "Gegenwart und Abschlusses dieses Systems der Dinge", was nochmal Gegenstand eines anderen Artikels sein wird.) Nachdem Jesus ihnen eine Reihe von "Zeichen der Zeit" nennt (V.4-28)und die Umstände seines Kommens beschreibt (V. 29-31), mahnt er nachfolgend nochmals ausdrücklich zur Wachsamkeit.
Es wird eine große Rolle spielen, wenn dieser Tag gekommen ist, bei welcher Art von Leben die Jünger angetroffen werden.
Diesen Punkt unterstreicht er mit einer ganzen Reihe von Beispielen:
Der biblische Befund ist also sehr klar: Das Gleichnis vom treuen und verständigen Sklaven steht nicht für sich, als eine besondere Lehre, die Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben hat, um sie auf die Einrichtung einer besonderen Instanz vorzubereiten. Es fügt sich nahtlos in die Reihe der anderen Gleichnisse ein. Bei allen geht es darum, wie sich seine Jünger verhalten werden, wenn Jesus wiederkommt. Es gibt kein Indiz für die Annahme, daß dieses Gleichnis besonders herauszugreifen wäre, und in der Tat erfahren ja auch die anderen Gleichnisse aus dieser Reihe keine besondere Auslegung.
Es entsteht der Eindruck, daß man hier eine Form gefunden hat, einen Autoritätsanspruch zu legitimieren, diesen Anspruch jedoch - bei genauerer Betrachtung - aus der leeren Luft schöpft.
Bei unvoreingenommener Bibelauslegung erscheint es vielmehr angemessen, davon zu sprechen, daß sich jeder Christ als "treuer und verständiger Sklave" oder als "böser Knecht" erweisen kann. Diese Auslegung stimmt zum Beispiel auch mit dem ähnlichen Gleichnis der anvertrauten Pfunde überein, wo der Herr jedem seiner Knechte einen gewissen Teil anvertraut hat, damit sie in seiner Abwesenheit damit umgehen, und er bei seiner Wiederkunft fragt, was nun daraus geworden ist.