| Jehovas Zeugen |
Der Textbestand
In der Frage, ob man im Neuen Testament "Jehova" übersetzen darf, ist die Antwort aber klar und eindeutig: Es gibt keine einzige Handschrift einer neutestamentlichen Schrift, in der der Name "Jehova" vorkäme. An sämtlichen Stellen ist von "kyrios" die Rede, Herr - die Anrede Gottes, die sich auch im Judentum jener Zeit durchgesetzt hatte. Selbst dort, wo aus dem Alten Testament zitiert wird und im hebräischen Text dieser altestamentlichen Texte der Gottesname steht.
Fragwürdige "Übersetzung"
Da hilft es nicht weiter, daß man "ständig
mit Sorgfalt die Hebräischen Schriften herangezogen" haben
will. Diese enthalten ausschließlich den Text des Alten
Testaments, in dem der Gottesname natürlich vorkommt.
Ebensowenig ist es sachdienlich, auf die Verwendung des Gottesnamens in
der griechischen Septuaginta abzuheben. Denn dabei handelt
es sich um eine vorchristliche, also jüdische, Übersetzung der
alttestamentlichen Schriften. Sie vermag nichts darüber
auszusagen, wie die Christen mit dem Gottesnamen umgegangen sind.
Bemerkenswerterweise ist uns in allen vier Evangelien nicht ein einziges Mal überliefert, daß Jesus den Gottesnamen verwendet hat. Weil es zu jener Zeit unüblich gewesen war, hätte dies sicherlich für Aufsehen und Aufregung gesorgt. Der Name Gottes galt als heilig, man sprach ihn - nicht aus Geringschätzung, sondern aus Ehrfurcht - nicht aus. Im Unterschied zu so vielen anderen Themen ist der Name nicht ein einziges Mal Gegenstand eines Streitgesprächs mit den Pharisäern oder Schriftgelehrten. Nicht ein einziges Mal klagt man ihn der Gotteslästerung an, weil er den Namen ausgesprochen hat. Obwohl überliefert ist, daß er wegen anderer Dinge mehrfach ein dermaßen großes Aufsehen errecht hat, daß man ihn - die Tatsache unbeachtet, daß die Juden unter römischer Besatzung die Todesstrafe nicht mehr ausführen durften - in heller Empörung öffentlich steinigen wollte.
Jesus hat uns Gott vorgestellt, er hat viel von ihm geredet. Weiter ist uns auch überliefert, wie Jesus mit Gott geredet hat. Die Anrede, die Jesus dabei immer wieder wählt und die ganz klar an erster Stelle steht, ist nicht "Jehova". Sondern Vater. Jesus stellt uns Gott als den Vater im Himmel vor, an den wir uns wenden können und der uns gute Dinge geben will. Man stelle sich vor, wie der Vater voll Freude die Arme ausbreitet und seine Söhne und Töchter in die Arme schließen will und diese stattdessen von ferne stehen und ihn mit "Jehova Gott, Souverän des Universums..." anreden. Als die Jünger Jesus fragen, wie sie beten sollen, hat er ihnen das bekannteste Gebet der Christen genannt. Und auch dieses beginnt mit: "Unser Vater im Himmel..."
Das ist die Art, wie wir Gott anreden sollen.
Es ist uns nicht ein einziges Mal ausdrücklich überliefert, daß Jesus den Namen genannt hat. Auch von einer Lehre Jesu über die Wichtigkeit der Verwendung des Namens lesen wir nichts. Das ist von Bedeutung, wenn wir davon ausgehen wollen, daß die Evangelisten uns alles Wichtige aus dem Leben und Wirken Jesu überliefert haben, alles, was Jesu Nachfolger wissen müssen. Unter dieser Annahme hätten sie den Namen erwähnen müssen, und ebenso, daß wir ihn verwenden sollen.
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Nein, auch hier: Fehlanzeige. In der Apostelgeschichte, in den Briefen, überall im Neuen Testament wird nur vom kyrios, von dem Herrn gesprochen. Vom Vater. Oder einfach von Gott. Bietet das Verwechslungsmöglichkeiten? Nein: Da Christen nur an den einen Gott glauben, ist auch das eindeutig.
Wäre es nicht geradezu unverzeihlich - der Lehre der Wachtturmgesellschaft gemäß - daß Paulus bei seinem Vortrag auf dem Areopag (Apostelgeschichte 17) "vergessen" hat, den zuhörenden Griechen den Namen des "unbekannten Gottes" bekanntzumachen? Schließlich hat er ihnen den gerade erst vorgestellt, und sie kannten ihn bisher noch gar nicht! Aber nein, das tut Paulus nicht. Er spricht schlicht von "Gott" und macht ihnen das Evangelium bekannt (Apostelgeschichte 17:30-31)
Was bedeutet das nun? Der Sprachgebrach der heutigen Christen, wenn sie von Gott als dem Herrn oder dem Vater sprechen, stimmt offensichtlich mit dem Sprachgebrauch der ersten Christen überein. Wenn die Autoren des Anhangs der Neuen Welt-Bibel behaupten, daß Gott "die größte Schmach" angetan würde, indem man seinen "besonderen persönlichen Namen" entfernt oder verschweigt, dann können sie diesen Vorwurf nicht allein "Übersetzern" machen. Dann müßten sie diesen Vorwurf zwangsläufig auch einem Paulus oder einem Petrus machen. Und letztlich sogar Jesus selbst.
Nein, dieser Gedanke ist absurd. Die einzige Alternative: Die Autoren bringen damit ihr persönliches Empfinden zum Ausdruck. Sie fühlen sich so, als würden sie Gott entehren. Tatsächlich aber existiert keine biblische Grundlage dafür, es heutigen Christen zum Vorwurf zu machen, wenn sie ihren Vater im Himmel auch einfach so anreden, geschweige denn es als falsch oder als ungeistlich abzuqualifizieren.
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"In Namen Jesu Christi von Nazareth, den ihr gekreuzigt
habt, den Gott von den
Toten auferweckt hat, durch ihn steht dieser
hier gesund vor euch.
Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen,
der zum Eckstein geworden ist.
Und in keinem anderen ist das Heil,
auch ist kein anderer Name unter dem Himmel
den Menschen gegeben,
in dem wir errettet werden müssen."
(Apg 4: 10-12)
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